60 Jahre - und nie war die Verwirrung größer
Geboren wurde ich am 26. Januar 1966 in Witten an der Ruhr. Zwar neigte sich der Bergbau dem Ende zu, aber die Wirtschaft boomte dort noch bis Mitte der achtziger Jahre. Zu der Zeit begann ich mit einer Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Knorr-Bremse AG in Volmarstein. Diese Gießerei ging fünf Jahre später pleite, das Stammwerk in München aber blüht heute noch durch Patente auf Bahnbremsen und andere Innovationen.
Von meinem Vater wurde ich ziemlich anti-kommunistisch erzogen. Der Fall der Mauer war für uns deshalb der Triumph der freiheitlichen Werte über den Spitzelterror der DDR und UdSSR. Diese weltweite Veränderung durch den Zerfall der Sowjetunion schien eine einzige Welt zu kreieren, die Handelswelt voller Freiheit und Normen, Chancen und Potenziale. Ich begann 1990 in München Politik zu studieren. Dort wurde die Teilung der Welt in Idealisten und Realisten deutlich. Ich promovierte von 1997 bis 2000 bei Gottfried-Karl Kindermann zum Denken des Realisten Hans Joachim Morgenthau. Doch ich spürte die zunehmende Intoleranz der sogenannten Idealisten und Sozialkonstruktivisten, die jede Wirklichkeitswissenschaft verleugneten und Wahrheit nur noch als relativistischen Sprechakt wahrnahmen.
Diese Intoleranz hat zugenommen, nachdem Habermas' Rationalitätsdiktum, die Begründung durch Argumente, von einem Kult des Gefühls und der Gesinnung abgelöst wurde. Totalitäre Narrative ersetzten diese vernünftigen Abwägungen. Emotional lenkbare Ideologien wie der Multikulturalismus und die Klimaideologie ersetzten die freie Entwicklung der Gesellschaft durch Wettbewerb.
Heute, wo ich 60 bin, lebe ich in einem failed state. Ein Land, das nach 15 Jahren Ideologie bankrott, unsicher und verwahrlost ist. Denn der Klimairrsinn hat sich als sinnfreier Götzendienst erwiesen, der die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zerstört hat. Der radikale Grenzöffnungsnihilismus hat zu einem Land der Barbarei, der Kriminalität, der Bildungslosigkeit und der Bandenkriege geführt. Rechtsstaatliche Institutionen wurden überlastet, wenn nicht gar ausgeschaltet.
Die wichtigste Entscheidung aber habe ich durch meine Taufe(n) in Christus getroffen. Denn sowohl habe ich den sakramentalen katholischen Glaubensweg durchlaufen als auch die bewusste Erwachsenentaufe erhalten. Eine doppelte Sicherung auf dem Weg zum ewigen Leben. Ich glaube dran. Deshalb ist Altern für mich ein Geschenk und kein Makel!
Danke für die vielen Freunde und Wegbegleiter!

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